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Tick, Tack, Tick, Tack. Ich sitze in der Küche und blicke aus dem Fenster, dem sonnigen Morgen entgegen. Tick, Tack, Tick, Tack erzählt die Küchenuhr ihre immer gleiche Geschichte. Der Kühlschrank brummt beruhigend. Einen Schluck Kaffee nach dem anderen, ein Gedanke nach dem anderen, begrüße ich meine Energie für den kommenden Tag. Ruhe und Alltagsgeräusche. Das ist wie Yoga für meine Seele.


Der Himmel färbt sich rosa über den Dächern und eine Amsel zwitschert fröhlich ihr Lied. Kurz wird sie vom tiefen Gurren der Ringeltaube unterbrochen, die in der Eiche gegenüber auf sich aufmerksam macht. Ich erinnere mich, wie ich als Kind im Garten unseres Hauses auf dem alten knorrigen Birnenbaum hockte, zwei genagelte Bretter unter dem Popo und der Welt lauschte. Träumte. Meinen Gedanken nachhing.




Ich sehe mich als Teenager auf der Hollywoodschaukel liegen, über mir das nächtliche Sternenzelt und in meinem Kopf Illusionen vom Leben. Ich fühlte die Ruhe und Gelassenheit, dass alles, was kommt, gut ist. Richtig ist. Ich vertraute meiner Intuition.


Auf der Suche nach Antworten


Dreißig Jahre später suche ich genau diese Momente. Ich suche mich und viele Antworten, aber kann sie im Gewusel des Tages nicht finden. Mein Kopf dröhnt und mein Fokus ist aus der Balance geraten. Seit vielen Jahren schon.


»Wer bin ich wirklich?«


Wie oft stellte ich mir schon diese Frage.


»Du bist viele!« bekam ich als Reaktion.


Das war nicht, was ich wissen wollte. Also hörte ich nicht hin. Suchte weiter. Forschte weiter. Schaute, was andere taten. Wie sie es taten. Studierte Lebenswege und Arbeitsalltage. Ich horchte anderen zu und probierte mich aus.


Und kam dennoch nicht an.



Hallo Leben!


Letzten Samstag, am 10. März 2024, beschloss ich innerhalb von Sekunden die Stopptaste zu drücken. Raus aus dem Trubel, hinein in die Ruhe, ohne ein Kloster der Achtsamkeit zu besuchen. Ich löschte drei Apps von meinem iPhone, denen ich zu viel Aufmerksamkeit schenkte. Instagram, Facebook & LinkedIn. Ich wollte eine Woche offline sein und dem Leben um mich herum wieder mehr Aufmerksamkeit schenken. Das hatte ich noch nie getan, seit es Social Media gibt und erst recht nicht, seitdem ich selbstständig bin und Netzwerken mein Marketing ist. Doch die medialen Eindrücke begannen mich zu erdrücken. Das ständige Nachsehen, ob der Beitrag oder die Story den Vibe meiner kleinen Community treffen. Ob ich gut unterhalte, zu viel oder zu wenig von mir zeige. Ob der Weg richtig ist oder ich die Richtung wechseln muss.


Und ich schaute zu viel im Handy auf das Leben der Anderen. In der Schlange an der Kasse im Supermarkt, zwischen Essen kochen und Tisch decken, schon früh am Morgen und manchmal auch spät am Abend. Während mein Kind mit mir sprach und in Dialogen mit anderen Menschen. Ständig schaute ich auf mein iPhone. Stopp!


Um mich herum war’s so laut, dass ich mich selbst nicht mehr hörte.


Ich brauchte dringend Ruhe und die begann mit einer Social Media Pause. Fünf Tage später kann ich sagen: Es tut gut! Plötzlich ist da mehr Zeit für andere Dinge, wie Bücher lesen und vor allem mir selbst zuzuhören. Ich bekomme Antworten auf Fragen und kann sie annehmen.


Ist es komisch, so ohne Instagram & Co.?


Ungewohnt. Ja. Weil meine Routine mich zum Handy greifen lässt, um kurz die »Weltlage« zu checken. Kein Input von außen, keine Geschichten von anderen, die ich schnell konsumieren kann. Keine Informationen. Manchmal macht mich diese Ruhe kribbelig, aber das Gefühl geht rasch vorbei. Dann genieße ich die Entspannung im Kopf und die totale Gegenwart der Menschen um mich herum. Keine Ablenkung, dafür viele intensive Momente.


Den Moment fühlen.


Gestern Abend lag ich mit meiner Tochter im Bett. Das Fenster weit geöffnet, hörten wir den nächtlichen Stimmen der Stadt zu. Ihr Kopf lag auf meinem Bauch, irgendwann wurde er schwerer und ihr Atmen tiefer. Kurz überlegte ich aufzustehen, mit meinem Mann noch einen Film anzuschauen, doch ich wollte die Ruhe nicht gegen schnelle Bilder eintauschen. Sollte ich lieber mein Buch weiterlesen und der Geschichte folgen, die mir die Autorin erzählen möchte? Ich entschied mich auch dagegen und lauschte weiter dem Gemurmel der Straßen, Häuser und Menschen. Bis ich in meine eigenen Träume fand.



Welche Antworten ich bekam und warum meine Intuition mir zum richtigen Zeitpunkt einen Weg aufzeigte, erzähle ich dir in einem kommenden Blogbeitrag.

 

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