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Einfach mal machen?

Über Mutausbrüche, Selbstzweifel und den eigenen Weg.

Einfach mal machen. Nicht vordenken, zu viel nachdenken, zerdenken, wegdenken. Sondern machen.

Es ist 8 Uhr morgens an einem Sonntag. Ich sitze am Küchentisch, neben mir mein Lieblingskaffee mit Milchhäubchen, vor mir der Laptop. Die Kolumne ist für morgen geplant und tatsächlich schreibe ich diese meist wenige Stunden vor der Veröffentlichung. Nur heute ist anders. Weil die Nacht kurz war, weil ein paar Sätze mich unruhig schlafen ließen. Weil ich mich im wahrsten Sinn des Wortes wachgerüttelt fühlte.

„Startet, bevor ihr ready seid. Wer immer nur darauf wartet bis alles perfekt ist, wird warten, aber nie machen. Nicht warten bis das Projekt fertig ist, oder die Business-Idee – sondern rausgehen, andere um Rat fragen und ins doing kommen! Mut zum Machen kannst du lernen. Fragt euch: Was ist das Schlimmste, was passieren kann? Meistens ist es nicht so schlimm, wie ihr es euch ausmalt.“ Tijen Onaran. Gründerin der Global Digital Woman.

Und nun sitze ich hier mit all meinen Gedanken, meinen Selbstzweifeln der letzten Wochen und plötzlich fängt es an, in mir zu vibrieren. Ich will machen. Tun. Loslegen. Vor allem jedoch meinen Perfektionismus, meinen überhöhten Anspruch an mich selbst, weglegen. Ganz hinten in den Kleiderschrank, zu den Highwaist-Jeans, die mich nicht gut kleiden. Zu den vielleicht-irgendwann-Klamotten in Größe 34/36, in die ich soundso nicht mehr hineinpassen will.

Ich glaube, er steht mir auch gar nicht, dieser selbstauferlegte Perfektionismus. Also kann ich ihn auch dalassen, wo der Rest liegt, den ich nicht mehr brauche. Weil ich herausgewachsen bin.

Ich bin ready. Lange schon. Und ich kenne viele Menschen, die es ebenfalls sind. Wir stehen auf Start, aber gehen nicht los. Wie die kleinen Männchen im Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel. Wir warten das der Würfel auf die 6 fällt, weil das Spiel es so will. Und im wahren Leben? Wer bestimmt da die Spielregeln? Bei der Geburt gibt’s keine Anleitung dazu. Im besten Fall sind da Eltern mit einem ungefähren Fahrplan, um nicht aus der Gesellschaft zu fallen. Dazu noch ein paar Lebens- und Glaubenssätze, die nicht immer passen, aber passend gemacht werden. Und irgendwann steht man etwas unfertig da und will loslegen. Mit dem ganzen Leben, nach den eigenen Vorstellungen, die gar nicht mehr so eigen sind.

„Einfach mal machen.“, ist nicht so simpel, wie es sich anhört. Oder doch? Was hindert uns daran? Die eigene Courage? Die Stimme im Ohr, dass es immer jemanden gibt, der besser ist? Aber ist das wichtig – das jemand besser ist? Schöner, erfolgreicher, bekannter… Ist die Frage nicht eher: Warum? Warum will ich tun, was ich tun will. Was treibt mich an? Und wenn ich alle Gründe oder den einen kenne, kenne ich mich und meine Aufgabe im Leben. Dann ist es doch egal, was andere machen und wo sie stehen.

Ich wollte immer schreiben. Schon als Kind habe ich davon geträumt, meinen Berufsweg im Schreiben zu finden. Weil ich unterhalten und Menschen für ein paar Momente aus ihrem Alltag abholen möchte. Mit Geschichten für groß und klein. Mit Shortstories, Kolumnen, Büchern, als Texterin und all den Möglichkeiten, die ich als leidenschaftliche Schreiberin habe. Den Moment einfangen und das Begehren. Die Zeit anhalten und durch Buchstaben auf die Weite des Meeres blicken, dass sich leise plätschernd am Ufer kräuselt. Am anderen Ende taucht die Sonne rotgolden in ihr allabendliches Bad ein. Die Luft frischt salzig auf.

Frankreich. Normandie. Atlantik.

Das ist mein Warum. Und wenn ich damit einen Menschen erreiche, ihn vielleicht aus einem schwierigen Augenblick abhole, dann weiß ich, dass mein Weg der richtige ist. Er ist nicht immer einfach und ich habe viele Weggabelungen gebraucht, um zu wachsen und zu verstehen. Mich zu verstehen. Und dass manche Glaubenssätze Wahrheiten sind, die zu jemandem anderen gehören. Ich habe sie zurückgegeben und mir eigene geschaffen. Auf meinem Weg möchte ich anderen Mut machen und inspirieren. Auch wenn’s nicht immer easypeasy läuft und die schrullige Tante Selbstzweifel gern an die Tür klopft. Manchmal beobachte ich sie durch den Türspion, wie sie dasteht, runzlig, unzufrieden, mit hängenden Mundwinkeln. Ich sehe und höre sie nörgeln. Dann dreht sie sich um und läuft steif die Treppe hinunter. Raus aus dem Haus, in dem ich wohne. An manchen Tagen hat sie jedoch schon einen Fuß in der Tür und drängt sich zusammen mit Cousin Perfektionismus durch den Spalt in mein Leben. Dann brauche ich Hilfe, beide abzuweisen. Sie können sehr stur sein und plötzlich enorme Kräfte entwickeln. Doch mit einem Freund an der Seite und einer Extraportion Mut, hat es noch immer geklappt, ihnen den Rückzug anzuzeigen.

Auf den eigenen Mutausbruch vertrauen. Vorwärts gehen, auch wenn‘s nicht perfekt ist. Wir haben zu jeder Zeit in unserem Leben die Möglichkeit zu wachsen. Manchmal auch über uns hinaus.

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