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Miteinander statt übereinander reden.

 

>>Was können wir in unserem eigenen, kleinen Kosmos tun?

Sollten wir nicht lieber miteinander statt übereinander reden?

Zuhören. Verstehen. Helfen.<<

 

Ein paar Worte, ein Satz, herausgerissen aus einer gestrigen Unterhaltung zwischen zwei Journalistinnen. Sie hallen nach. Lange noch.

 

Ich betrachte meine Tochter, unseren fast dreijährigen Wirbelwind. Für sie beginnt jeden Morgen ein neuer, unbeschriebener Tag - ein leeres Blatt Papier und sie hält die Farbtöpfe und Pinsel bereit, um diesen bunt zu beklecksen. Was dabei entsteht, ist nicht wichtig, Hauptsache, es hat Spaß gemacht. In ihrer kindlichen Unbedarftheit erzählt sie mir von einer großen Geburtstagsparty, die sie mit all ihren Freunden feiern möchte. Sie weiß genau, wer dabei sein soll – und das sind so ziemlich alle Kinder, die sie kennt. Ich lache sie an und weiß gar nicht, wie ich ihr erklären soll, dass am Ende des Monats kaum Gäste zu ihrer Feier kommen werden. Vielleicht nicht einmal alle Omas & Opas.

 

Das ist doch nicht gut!

 

Ich dränge die Tränen zurück und nicke meinem Mann zu, der an der Kinderzimmertür gelehnt, ihrem Redefluss gelauscht hat. Er weiß ganz genau, wie ich mich fühle. Er weiß, was ich mir wünsche. Weil er auch so empfindet. Weil wir jeden Tag und jede Nacht versuchen, unserer Tochter ihre kleine Welt so schön wie möglich zu erhalten. Wir haben ihr nichts von einem Virus erzählt, der unser Leben gerade so sehr bestimmt. Nichts davon, dass sie deswegen nicht in die KiTa darf oder zum Kinderturnen. Für sie ist gerade Urlaub. Ein langer Urlaub. Alle haben Urlaub, deshalb ist kaum eine Freizeitaktivität für Kinder geöffnet. Alles andere spielt sich dann eben draußen ab. Freunde treffen, Oma und Opa sehen. Doch wie lange noch? Wie lange, bis sie versteht. Wie lange noch, bis sie zu sehr vermisst? Das Umarmen, das Spiel im Haus. Auch ihre Tagesmutti, von der sie sich vielleicht noch nicht einmal verabschieden kann, bevor sie im März in den Kindergarten kommt. Unsere kleine Große. Elternthemen. Elternsorgen. Auch wenn es unserem Kind gut geht. Weil wir gut mit ihr und uns sind.

 

Eine Perspektive als Lichtstreif am Horizont.

 

„Wir feiern deinen Geburtstag im Hof, wenn es wärmer ist.“, überlege ich laut. „Dann haben alle Platz und wir können Kuchen essen und Seifenblasen machen.“

Sie strahlt mich an. „Ja Mama, und Bratwurst. Können wir Bratwurst haben? Und im Trampolin springen?“ Jetzt lachen wir beide. Das hört sich gut an. Wir haben einen Plan in einer momentan fast noch planlosen Welt.

 

Seit gestern gibt es einen sächsischen „Perspektiv-Plan“ zur Rückkehr in die „Normalität“. Vier Inzidenzstufen müssen passieren, damit verschiedene Bereiche des öffentlichen Lebens wieder geöffnet werden. Der sächsische Wirtschaftsminister Dulig meint, dass zu den Bereichen, die ab 15. Februar 2021 unter bestimmten Voraussetzungen mit einer schrittweisen Öffnung rechnen können, Kitas und Schulen zählen. Auch Petra Köpping (sächsische Gesundheitsministerin) äußerte sich dazu und erklärte, dass dabei vier Faktoren von Bedeutung sein müssen: die nächste Bund-Länder-Beratungen am 10. Februar, die Lage in den benachbarten Bundesländern, die Corona-Krise im Nachbarland Tschechien sowie die Unwägbarkeit mit den Corona-Mutationen.

 

Er macht ein wenig Hoffnung, dieser Plan. Hoffnung auf ein Stück mehr Freiheit und Unbedarftheit unserer Kinder. Hoffnung auf einen lückenloseren Bildungsweg, auf gemeinsames Spielen und Lernen. Es ist ein Stück mehr Sorglosigkeit für Eltern.

 

Am Ende wird alles gut?

 

Und vielleicht können zum Geburtstag unserer Tochter alle Omas & Opas kommen, vielleicht auch ein Freund und eine Freundin. Das wäre schön. Wir passen auf. Auf uns und die uns nahestehen. Wir schützen uns, wo es möglich ist und meiden, was nicht nötig ist. Und manchmal denke ich, dass wäre auch ein Weg gewesen. Ein gemeinsamer. Wenn alle ein wenig mehr Acht geben. Wenn sich nicht jeder selbst der nächste ist und nur seine eigenen Belange betrachtet. Wenn wir alle das Große und Ganze anschauen und gemeinsam überlegen, was wir tun können. Vielleicht ist das einfach nur mein Wunschdenken, mein Tagtraum von einer Welt, in der man miteinander redet, statt übereinander.

 

Für mich und meine kleine Familie weiß ich jedoch, dem treu zu bleiben. Nachzufragen. Zuzuhören. Demütig und vor allem dankbar zu sein. Unsere Tür ist offen. Unsere Telefone meist eingeschalten. Und wenn wir nicht gleich sprechen können, weil unser Zwerg gerade ihre Welt erklärt, dann melden wir uns schnellstmöglich zurück. Versprochen!

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